Kohlenhydrate
Allgemeines
Kohlenhydrate (auch Saccharide genannt) sind
polyhydroxylierte Ketone oder Aldehyde, enthalten also mehrere
Hydroxyl-Gruppen, und sind für alle Organismen essentiell. Man
unterscheidet nach verschiedenen Polymerisationsstufen die
Monosaccharide (Einfachzucker) von den Oligosacchariden, die aus 2-10
Monosacchariden aufgebaut sind, und den Polysacchariden, die aus mehr
als 10 Monomeren aufgebaut sind.
Kohlenhydrate haben u.a. folgende Aufgaben im Organismus:
- Energiespeicherung (z.B. Glykogen und Stärke)
- Metabolitspeicherung
- Grundgerüst der DNA und RNA (Ribose und Desoxyribose)>
- Strukturelement (z.B. Cellulose in Zellwänden)
- Zell-Zell-Erkennung
Funktionelle Gruppen und Stereochemie
Die Monosaccharide unterteilt man nach ihrer Carbonylfunktion in
zwei Gruppen: Die Aldosen, die eine Aldehydgruppe enthalten und die
Ketosen, die eine Ketongruppe enthalten. Ein Monosacharid muss aus
mindestens drei Kohlenstoffatomen bestehen und lässt sich mir der
allgemeinen Formel (CH2O)n beschreiben. Eine
Einteilung lässt sich auch nach Anzahl der Kohlenstoffatome vornehmen:
Triosen (3 Kohlenstoffatome), Tetrosen (4), Pentosen (5), Hexosen (6),
Heptosen (7) usw. Eine genauere Beschreibung lässt sich dann noch
durch das Präfix Aldo- oder Keto- machen (z.B. Aldopentose). Somit
kann man die Anzahl der Kohlenstoffatome und die Carbonylfunktion
ausdrücken.
Da Zucker asymmetrische C-Atome enthalten, muss man bei der
Beschreibung eines Zuckers Angaben über die Konfiguration machen. Man
benutzt hier meist die D,L-Nomenklatur und nicht das
Cahn-Ingold-Prelog-System. In der Natur liegen hauptsächlich die
D-Formen vor. Die Anzahl der möglichen Stereoisomere eines Zuckers
lässt sich als Funktion der Anzahl der Kohlenstoffatomen
darstellen. Bei den Aldosen, bei denen alle C-Atome bis auf die beiden
endständigen als Chiralitätszentrum fungieren, gibt es bei n C-Atomen
2n-2 mögliche Stereoisomere. Die Ketosen haben durch die
Position des Sauerstoffatoms der Ketongruppe ein Chiralitätszentrum
weniger. Die Anzahl der möglichen Stereoisomere lässt sich somit durch
2n-3 wiedergeben.
Abb.: Stereochemische Beziehung zwischen den D-Aldosen mit drei, vier,
fünf und sechs Kohlenstoffatomen.
Abb.: Stereochemische Beziehung zwischen den D-Ketosen mit drei,
vier, fünf und sechs Kohlenstoffatomen.
Ist die Konfiguration zweier Zucker an nur einem Kohlenstoffatom
unterschiedlich, so nennt diese Epimere.
Zyklisierung
Zucker liegen in der Natur nur selten in linearer Form vor. Meist
entstehen durch intramolekulare Reaktion zyklische Halbacetale
bzw. Halbketone. Zur Darstellung der Konfiguration bedient man sich
der von Haworth (Nobelpreis für Chemie 1937) entwickelten und nach ihm
benannten Haworth-Projektionsformel. Dabei nennt man Ringe mit 6
Gliedern Pyranosen (nach Pyran) und Ringe mit 5 Gliedern Furanosen
(nach Furan). Durch Anhängen des entsprechenden Suffixes lässt sich
die Konfiguration genauer beschreiben (z.B. Glucopyranose).
Durch die Zyklinisierung (Ringschluss) entsteht ein weiteres
asymmetrisches Kohlenstoffatom, also ein zusätzliches
Chiralitätszentrum. Die beiden zu unterscheidenden Diastomere werden
Anomere genannt. Die Benennung wird mittels Haworth-Projektion
vorgenommen: Liegt die anomere Hydroxylgruppe auf der anderen Seite
der Ringebene als die CH2OH des der chiralen D-L-Konfiguration
bestimmenden Zentrums so handelt es sich um die α-Form, andernfalls um
die β-Form.
Die beiden anomere Formen könne über die offene Form ineinander
überführt werde. Dies wird als Mutarotation bezeichnet.
Zudem sei noch angemerkt, dass Pyranosen und Furanosen keine planaren
Moleküle darstellen, sondern in Sessel- oder Wannenform vorliegen.
Oligosacchraride und Polysaccharide
Bei den Oligosacchariden und Polysacchariden unterscheidet man
zwischen Homoglycanen, die aus gleichen Monosacchariden aufgebaut
sind, und den Heteroglycanen, die aus verschiedenen Monosacchariden
bestehen. Zudem gibt es noch die Gruppe der Glykokonjugate, zu denen
die Glykoproteine und Glykolipide gehören. Sie besitzen außer Zuckern
noch andere Komponenten.
Die Verknüpfung der Zucker erfolgt über eine sogenannte o-glykosidische Bindung.
Beispiele mit Angabe der Monomere, der Bindung und des Vorkommens:
Disaccharide - Homoglycane:
- Maltose:
O-α-D-Glucopyranosyl-(1,4)-α-D-Glucopyranose
- Isomaltose:
O-α-D-Glucopyranosyl-(1,4)-α-D-Glucopyranose
- Cellobiose:
O-β-D-Glucopyranosyl-(1,4)-β-D-Glucopyranose;
Disaccharid der Cellulose
- Gentiobiose:
O-β-D-Glucopyranosyl-(1,6)-D-Glucopyranose
- Trehalose:
O-α-D-Glucopyranosyl-(1,1)-α-D-Glucopyranose;
in Lymphe von Insekten, in Pilzen, Hefen, Flechten, Algen und Moosen
Disaccharide-Heteroglycan
- Lactose: (Milchzucker)
O-β-D-Galactopyranosyl-(1,4)-β-D-Glucopyranose
- Saccharose:
O-α-D-Glucopyranosyl-(1,2)-β-D-Fructopyranose;
der handelsübliche Zucker
Polysaccharide
- Amylose:
α-(1,4)-verknüpftes Glucosepolymer; unverzweigt
- Amylopektin:
α-(1,4)-verknüpftes Glucosepolymer mit Verzweigungen
nach allen 24 bis 30 Einheiten; die Verzweigung erfolgt mit
α-1,6-verknüpften Glucoseeinheiten
-
Glykogen: α-(1,4)-verknüpftes Glucosepolymer
mit Verzweigungen nach allen 8 bis 12 Einheiten; die Verzweigung
erfolgt mit α-1,6-verknüpften Glucoseeinheiten
-
Cellulose:
β-(1,4)-verknüpte Glucoseinheiten
-
Pektin:
α-(1,4)-verknüpftes Galacturonsäurepolymer
-
Chitin:
β-1,4-verknüfte N-Acteylglucosamineinheiten
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